Verbindung zu Klöstern


Im Mittelalter waren Klöster für Handwerker, einfache Bürger und Landbewohner Teil des Alltags. Die Verbindung zu einem Kloster bestand weniger in theologischen Fragen als in praktischen Dingen: Arbeit, Krankheit, Nahrung, Beerdigung, Seelsorge, Bildung und Hilfe in Krisenzeiten.

In den Städten waren besonders die Bettelorden wichtig, vor allem Franziskaner und Dominikaner. Diese Orden siedelten bewusst in Städten. Anders als ältere Benediktiner- oder Zisterzienserklöster lebten sie nicht abgeschieden auf dem Land, sondern mitten zwischen Handwerkern, Kaufleuten und Armen. Ihre Kirchen waren auf große Menschenmengen ausgerichtet, ihre Predigten richteten sich an die städtische Bevölkerung. Viele einfache Bürger gingen eher zu den Bettelorden als in die Pfarrkirche, weil dort verständlicher gepredigt wurde und man unmittelbare Hilfe erwartete. Besonders Handwerker und Gesellen fühlten sich mit ihnen verbunden.

Für Handwerker hatten Klöster eine konkrete soziale und wirtschaftliche Bedeutung. Viele Zünfte und Gesellengilden unterhielten feste Beziehungen zu bestimmten Klöstern. Dort fanden Gottesdienste für die lebenden und verstorbenen Mitglieder statt. Zwischen Zünften und Klöstern bestanden oft feste Absprachen. Die Klöster übernahmen zum Beispiel Gedächtnismessen, Begräbnisse oder die Versorgung kranker Gesellen, während die Handwerker dafür Geld spendeten, Kerzen stifteten oder regelmäßige Beiträge zahlten. Wandernde Gesellen erhielten dort außerdem Krankenpflege, Herberge und geistlichen Beistand. Gerade fremde Gesellen ohne Familie in der Stadt waren darauf angewiesen.

Zugleich waren Klöster wichtige Auftraggeber. Sie brauchten Schmiede, Schreiner, Maurer oder Fuhrleute. Viele Handwerker arbeiteten dauerhaft für ein Kloster oder erhielten dort regelmäßig Aufträge. Klöster ließen Kirchen bauen, Dächer reparieren oder Fässer herstellen. Besonders in kleineren Städten Frankens und Süddeutschlands war das Kloster oft der wichtigste Auftraggeber der Umgebung.

Für arme Bürger waren Klöster häufig die wichtigste Hilfsinstitution. Dort wurden Nahrung, Kleidung und manchmal auch Geld verteilt. Kranke, Alte und Menschen ohne Familie konnten auf Unterstützung durch Klöster oder klosternahe Hospitäler hoffen.

Für die Landbevölkerung war die Beziehung meist noch unmittelbarer. Viele Bauern lebten auf Land, das einem Kloster gehörte. Das Kloster war dann Grundherr und erhielt Abgaben und Frondienste. Bauern mussten Felder bestellen, Wege ausbessern oder Transporte leisten. Gleichzeitig war das Kloster oft auch Schutzmacht. In Hungerjahren konnten Menschen dort Hilfe suchen. Klöster besaßen Speicher, Mühlen, Backhäuser und Vieh. Sie waren häufig besser organisiert als weltliche Herrschaften und konnten Krisen leichter überstehen. Deshalb war die Beziehung der Bauern zu Klöstern ambivalent: Man war von ihnen abhängig, brauchte sie aber zugleich.

Vor allem im süddeutschen Raum und in Franken spielten Zisterzienserklöster eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Landes. Sie rodeten Wälder, legten neue Felder an, entwässerten Moore und gründeten neue Dörfer. Viele Bauern siedelten sich auf von Klöstern erschlossenem Land an. Auch Wissen über Viehzucht, Weinbau, Fischzucht oder Kräuterkunde verbreitete sich über Klöster in die ländliche Bevölkerung.

Die Bettelorden gingen bewusst aus den Städten hinaus aufs Land. Sie unterhielten feste Bezirke, in denen sie regelmäßig predigten, Almosen sammelten und Kontakte zu Dörfern pflegten. Bauern kamen zu Wallfahrten oder Märkten in die Stadt und verbanden dies oft mit einem Besuch im Kloster. Umgekehrt zogen Mönche und Brüder regelmäßig durch die Dörfer.

Für einfache Menschen war das Kloster deshalb nicht nur ein religiöser Ort, sondern zugleich Arbeitgeber, Armenhaus, Hospital, Herberge und Schutzraum. Besonders in Zeiten von Hunger, Seuchen oder Krieg wurden Klöster zu wichtigen Zufluchtsorten. Sie standen damit im Alltag einfacher Menschen nicht am Rand, sondern im Zentrum des sozialen Lebens.


- Literatur -

• Wilfried Reininghaus: „Die Beziehungen der Bettelorden zu Handwerkern“, in: Westfälische Zeitschrift 155, Münster 2005.

• Andreas Rüther: Bettelorden in Stadt und Land. Die Straßburger Mendikantenkonvente und das Elsaß im Spätmittelalter, Berlin 1997.

• Martin Weindl: Ein „Stadtorden“ auf dem Land. Studien zu Bettelorden und ländlichem Raum, Regensburg 2009.

• Enno Bünz / Sönke Lorenz (Hrsg.): Kloster und Stadt am südlichen Oberrhein im späten Mittelalter, Stuttgart 2008.

• Kaspar Elm: Bettelorden und städtische Gesellschaft im Mittelalter, Berlin 1981.


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